Landesgruppe Hessen    
   
  Von Kaffee und Kuchen
  oder der eine, den ich beinahe vergaß und der andere, den ich nicht wollte

 

   Das Geheimnis einer guten Oldtimer-Ausfahrt? Für jeden etwas und für jeden das Richtige. Schon oft hat unser Schnauferlbruder Robert Schramm unter Beweis gestellt, dass das schier nicht Machbare eben doch machbar ist; und in das Vertrauen seines und seines Bruders Können meldete ich mich samt Ehegespons und meiner zweijährigen Schnullerbacke namens Alice-Catherine zur Sommerausfahrt der Landesgruppe Hessen an. Andere taten es mir nach und auch das Schreiberl des „Schnauferl“, SB Schädlich, meldete mit seiner besseren Hälfte und dem dreijährigen ASC-Nachwuchs mit Namen Patrick.

Er wollte es wieder einmal wissen und seinen Vorkriegs-Dolomite durch den Taunus quälen und ich dachte nur: Hoffentlich gibt es keinen Regen. Denn in diesem Fall würden SB Schädlich und Sohn Patrick schön im Trockenen sitzen und die bessere Hälfte im Regen auf dem eigentlich der Schwiegermutter vorbehaltenen Sitz. 

 

   
 

 

Es sollte aber auch „Schnelleres“ zu sehen geben. Wieder um Halle und Halle usw. und dann durch die Schramm`sche Werkstatt, wo einige Kundenautos auf ihre Wiederherstellung warten und dann, ja was war denn das – ein Ferrari 250 GT mit Boano-Karosserie, unrestauriert und schlicht neben einem Denzel VW neben einem NAG Protos neben einem  - neben einem  - neben einem. Jedes Auto hat seine ganz eigene und persönliche Geschichte, wie es in diesen Fundus kam und ich konnte nicht genug der Geschichten hören. Aber der Gipfel für mich waren eigentlich die Elektroautos von SB Schramm senior, der weltweit als einer der wenigen Spezialisten für diese Fahrzeuge gilt. Elektroautos vor der Jahrhundertwende  - nein, nicht der letzten, sondern die von 1899 zu 1900. Ja, auch bei mir kann noch wahre Faszination entstehen und vielleicht trennt sich Schramm senior irgendwann einmal von einer dieser elektrischen Seltsamkeiten. Irgendwann war ich dann, begleitet von den Klängen eines elektrischen Klaviers, durch die letzte Halle durch.

Wie schnell die Zeit vergangen war, merkte ich erst daran, dass der gesamte Hof jetzt mit Fahrzeugen gefüllt war und das Händeschütteln beginnen konnte. Das die ASC- Sommerausfahrt ein echter Geheimtipp ist, war auch daran zu sehen, dass viele Schnauferlbrüder, die man sonst eher seltener mit ihren Fahrzeugen sieht, den Weg nach Oberursel gefunden hatten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

             Sommerausfahrt Landesgruppe Hessen 28.Juli 2002
   

Ich wollte diese Qualen meinem Vorkriegs-10PS nicht antun und so musste das 2300 Abarth Coupé herhalten, das in diesem Jahr schon so oft als Redaktionsfahrzeug eingesetzt war.

Pünktlich um 9 Uhr ging es los in Richtung der Schramm’schen Latifundien und so waren wir denn auch die ersten, die das etwas pittoresk anmutende Anwesen irgendwo zwischen Oberursel und Bad Homburg, irgendwo zwischen Bahngleisen und Telekomantennen, erreichten. Parkplatz gab es ausreichend und schattige Sitzplätze unter den weitverstreuten Obstbäumen an einem Fischteich auch. Ich kam mir vor wie in einem Musiktitel von Reinhard May: „Fahr mal raus aufs Land“. Fröhliches Hundegebell empfing uns und mir gelang ein erster Blick auf einen riesigen Tisch mit den leckersten Kuchen, doch erst mal allen guten Tag sagen. Ich glaube, das war dann auch mein Fehler, denn als ich Schramm senior die Hand schüttelte, kam SB Robert Schramm mit dem Kommentar: »Komm Vatter, jetzt zeig mal dem SB Göhr den Bergmann.«. Schon oft hatte ich von diesem Fahrzeug gehört und jetzt ging es vorbei an alten Dampfmaschinen um eine Halle herum und dann noch um eine Halle herum, hinter einer Halle abbiegen, um dann wieder vor einer Halle zu stehen. Dazu muß man wissen, dass hier einmal Zahnarztstühle hergestellt wurden – aber lang lang ist’s her und was übrigblieb, war eben viel Platz, um seinem Hobby zu frönen. Ja, jetzt war es die richtige Halle und hinter der Tür stand er dann, der „Bergmann“, der Schramm’sche Familienoldie der frühen Jahre. Glänzender Messingwabenkühler und mehr Platz für die Familie als die Leistung, die irgendwo zwischen sechs und zehn PS liegen dürfte, in der Lage ist fortzubewegen. Ja, die Kinder sind jetzt groß (über Gewicht redet man hier nicht) und irgendwie sind die Zeiten nicht mehr ganz so richtig für solche Autos.

 

                                            Mittagsrast, Landsteiner Mühle

 

 

 

 

Jetzt war endlich für mich auch das Kuchenbuffet dran und eigentlich – und das habe nicht nur ich so empfunden – könnte man die Ausfahrt eigentlich bleiben lassen und lieber den Schatten geniessen und weiter gute Gespräche mit alten Freunden führen. Irgendwann ganz ohne Eile setzte sich dann doch noch der Tross in Bewegung und eigentlich gibt es über die wie immer perfekt organisierte Ausfahrt nicht viel zu berichten. Es ging die Taunusberge hinauf und hinunter und hinauf und hinunter und hin.... Nein, Langeweile kam nicht auf, die Gespräche konnten beim Mittagessen in der Landsteiner Mühle fortgesetzt werden und ein Sieger musste schließlich auch nicht ermittelt werden, denn Sieger waren wir bei der ausgesucht schönen Strecke alle.

Ach ja es gab doch auch einen Verlierer der Veranstaltung. Zum Abschluß hatte man das landschaftlich sehr schön gelegene Kempinski-Hotel in Königstein gewählt – eigentlich eine gute Wahl. Leider ließ der Service dort derartig zu wünschen übrig, dass viele auf den angebotenen Kuchen verzichteten und sich in den Schramm`schen Garten zurückwünschten, denn dort hatte alles gestimmt.

Für die tolle Organisation bekam die Familie Schramm vom Präsidenten der Landesgruppe SB Dr. Scheffler zur Erinnerung an diesen wunderschönen Tag das Foto eines Oldtimers aus dem Hause Schramm im passenden – ebenfalls mit Oldtimer verzierten Rahmen – überreicht.

SB Peter-David Göhr