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Ich
wollte diese Qualen meinem Vorkriegs-10PS nicht antun und so
musste das 2300 Abarth Coupé herhalten, das in diesem Jahr
schon so oft als Redaktionsfahrzeug eingesetzt war.
Pünktlich
um 9 Uhr ging es los in Richtung der Schramm’schen
Latifundien und so waren wir denn auch die ersten, die das
etwas pittoresk anmutende Anwesen irgendwo zwischen Oberursel
und Bad Homburg, irgendwo zwischen Bahngleisen und
Telekomantennen, erreichten. Parkplatz gab es ausreichend und
schattige Sitzplätze unter den weitverstreuten Obstbäumen an
einem Fischteich auch. Ich kam mir vor wie in einem Musiktitel
von Reinhard May: „Fahr mal raus aufs Land“. Fröhliches
Hundegebell empfing uns und mir gelang ein erster Blick auf
einen riesigen Tisch mit den leckersten Kuchen, doch erst mal
allen guten Tag sagen. Ich glaube, das war dann auch mein
Fehler, denn als ich Schramm senior die Hand schüttelte, kam
SB Robert Schramm mit dem Kommentar: »Komm Vatter, jetzt zeig
mal dem SB Göhr den Bergmann.«. Schon oft hatte ich von
diesem Fahrzeug gehört und jetzt ging es vorbei an alten
Dampfmaschinen um eine Halle herum und dann noch um eine Halle
herum, hinter einer Halle abbiegen, um dann wieder vor einer
Halle zu stehen. Dazu muß man wissen, dass hier einmal
Zahnarztstühle hergestellt wurden – aber lang lang ist’s
her und was übrigblieb, war eben viel Platz, um seinem Hobby
zu frönen. Ja, jetzt war es die richtige Halle und hinter der
Tür stand er dann, der „Bergmann“, der Schramm’sche
Familienoldie der frühen Jahre. Glänzender Messingwabenkühler
und mehr Platz für die Familie als die Leistung, die irgendwo
zwischen sechs und zehn PS liegen dürfte, in der Lage ist
fortzubewegen. Ja, die Kinder sind jetzt groß (über Gewicht
redet man hier nicht) und irgendwie sind die Zeiten nicht mehr
ganz so richtig für solche Autos.
Mittagsrast,
Landsteiner Mühle
Jetzt war
endlich für mich auch das Kuchenbuffet dran und eigentlich
– und das habe nicht nur ich so empfunden – könnte man
die Ausfahrt eigentlich bleiben lassen und lieber den Schatten
geniessen und weiter gute Gespräche mit alten Freunden führen.
Irgendwann ganz ohne Eile setzte sich dann doch noch der Tross
in Bewegung und eigentlich gibt es über die wie immer perfekt
organisierte Ausfahrt nicht viel zu berichten. Es ging die
Taunusberge hinauf und hinunter und hinauf und hinunter und
hin.... Nein, Langeweile kam nicht auf, die Gespräche konnten
beim Mittagessen in der Landsteiner Mühle fortgesetzt werden
und ein Sieger musste schließlich auch nicht ermittelt
werden, denn Sieger waren wir bei der ausgesucht schönen
Strecke alle.
Ach ja es gab
doch auch einen Verlierer der Veranstaltung. Zum Abschluß
hatte man das landschaftlich sehr schön gelegene
Kempinski-Hotel in Königstein gewählt – eigentlich eine
gute Wahl. Leider ließ der Service dort derartig zu wünschen
übrig, dass viele auf den angebotenen Kuchen verzichteten und
sich in den Schramm`schen Garten zurückwünschten, denn dort
hatte alles gestimmt.
Für die tolle
Organisation bekam die Familie Schramm vom Präsidenten der
Landesgruppe SB Dr. Scheffler zur Erinnerung an diesen
wunderschönen Tag das Foto eines Oldtimers aus dem Hause
Schramm im passenden – ebenfalls mit Oldtimer verzierten
Rahmen – überreicht.
SB
Peter-David Göhr |